Michael Müller und Raed Saleh zu Besuch in einer Berliner Synagoge

Michael Müller und Raed Saleh zu Besuch in einer Berliner Synagoge

Anlässlich der Woche gegen Rassismus besuchten der Regierende Bürgermeister Michael Müller und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh die Synagoge am Fraenkelufer in Kreuzberg und im Anschluss die Neuköllner Şehitlik-Moschee. Den beiden SPD-Politikern ging es bei ihrem Besuch darum, ein deutliches Zeichen für Toleranz zu setzen.

„Berlin ist eine durch Offenheit und Toleranz bestimmte Metropole, in der Menschen aus aller Welt friedlich zusammenleben. Wir müssen gerade in diesen Tagen Gesicht zeigen gegen jede Form rassistischer, antisemitischer und fremdenfeindlicher Gewalt und den Dialog miteinander suchen“, sagte der Regierende Bürgermeister.

Die Synagoge am Fraenkelufer passte schon mit Blick auf ihre Geschichte zum Anlass des Besuchs. Von dem Bau aus dem Jahr 1916 ist noch ein Nebenraum, die frühere Jugendsynagoge erhalten, denn sie wurde bereits in der Pogromnacht in Brand gesetzt und später bei einem Luftangriff weiter zerstört. Heute wird das Gemeindeleben jeden Tag interessanter. Menschen aus aller Welt, darunter viele Israelis, nutzen den Bau heute. Eine lebendige Jugendarbeit und der Austausch mit den anderen Religionen beeindruckten Müller und Saleh. „Was gibt es für ein schöneres Kompliment für Berlin, als wenn es Juden aus aller Welt hier hinzieht. Berlin ist nicht nur eure Heimat, sondern sollte auch die Heimat eurer Kinder und Enkel sein“, sagte Raed Saleh. Kontakte hält die jüdische Gemeinde auch mit der Şehitlik-Moschee, die die beiden Politiker im Anschluss besuchten.

Auch sie ist mit der Geschichte Berlins eng verbunden und geht auf den Türkischen Friedhof zurück, der schon 1866 an gleicher Stelle angelegt worden war. Im neu eröffneten Gemeindehaus besuchten Müller und Saleh eine Ausstellung über die preußisch-osmanischen Beziehungen.

Müller für Staatsvertrag mit Muslimen – Saleh wirbt für „Moscheesteuer“

Der Regierende Bürgermeister befürwortete erneut einen Staatsvertrag des Landes Berlin mit den muslimischen Verbänden, so wie ihn die christlichen Kirchen und die jüdische Gemeinde schon heute haben. Ein solcher Vertrag brauche erfahrungsgemäß einige Jahre Zeit, bis er verhandelt und abgeschlossen ist. Daher werde er voraussichtlich in der nächsten Legislaturperiode Realität. Raed Saleh wirbt für eine „Moscheesteuer“ nach dem Vorbild der Kirchensteuer. Sie würde die muslimischen Verbände unabhängiger von ausländischen Geldgebern machen – und so einen und europäisch geprägten deutschen Islam stärken. Er plädiert auch für eine Ausbildung von Imamen in Deutschland, weil sie die deutsche Kultur und Gesellschaft besser verstehen. Den Weg zu einer „Moscheesteuer“ können die muslimischen Gemeinden selbst gehen: Religionsgemeinschaften können sich als Körperschaften des öffentlichen Rechtes anerkennen lassen, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Danach können sie selbst Steuern erheben. Die großen Kirchen lassen ihre Steuern von Finanzämtern gegen eine Verwaltungsgebühr einziehen. Andere Religionsgemeinschaften ziehen ihre Steuern selbst ein.

Ein Fest der Religionen

In beiden Gotteshäusern machte der SPD-Fraktionsvorsitzende Saleh den Vorschlag, dass alle Berliner Religionen ein gemeinsames Sommerfest ausrichten könnten, vielleicht am Alexanderplatz oder am Brandenburger Tor. Es würde Touristen und Berliner gleichermaßen anziehen. Spontan machte Pinar Cetin vom Berliner Integrationsbeirat einen Vorschlag, wer Schirmherr eines solchen Festes sein könnte: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller.

Zeichen für Toleranz