Raed Saleh im Interview
Herr Saleh, Sie bewerben sich in Ihrem Wahlkreis nun zum zweiten Mal um einen Platz im Abgeordnetenhaus von Berlin. Ihr Wahlkreis umfasst die Spandauer Neustadt, die Altstadt, Klosterfelde und das Falkenhagener Feld. Was haben Sie bisher erreicht, und was wollen Sie noch erreichen?
Als "Neuling" war der Start nicht ganz einfach, jedoch ist es mir gelungen, in den Jahren meine Schwerpunktthemen Bildung, Soziale Stadt und Integration auf die Tagesordnung zu setzen. Ich möchte meine Arbeit auch über 2011 hinaus für Spandau und Berlin im Abgeordnetenhaus fortführen.
Sie sind seit 2006 Abgeordneter und seit drei Jahren Kreisvorsitzender der SPD in Spandau. Wie sind Sie zur SPD gekommen? Was war der Grund für diese Wahl und welche Hürden mussten Sie nehmen, um Ihre bisherigen politischen Erfolge zu erreichen?
Ich habe viele prägende Gespräche über Politik und Gesellschaft in meiner Familie geführt und im Mittelpunkt stand immer die Frage, wie soziale Gerechtigkeit verwirklicht werden kann. Es war mir schon früh klar, dass das nur mit Hilfe der SPD möglich ist. Deshalb bin ich 1994 der SPD beigetreten. Um politisch etwas zu bewegen, musste ich die Hürden nehmen, die alle nehmen, die politisch aktiv sind.
Sie haben das Projekt „Stark ohne Gewalt“ mit initiiert. Warum wurde das Projekt gegründet? Was sind seine Ziele?
Im Januar 2007 gab es eine Massenschlägerei unter Jugendlichen in Spandau. Da fragte ich mich, wie so etwas passieren konnte. Gemeinsam mit Vertretern der Polizei, der Politik und vielen Spandauer Vereinen haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was unternommen werden kann, damit zukünftig so etwas nicht passiert. Bei einer Versammlung mit Jugendlichen, Anwohnern und Polizisten war ich verblüfft, wie viele Vorurteile auf allen Seiten bestanden! Um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken, um nachhaltig Konflikte und Gewaltvorfälle unter jungen Menschen zu verhindern, haben wir mit der Polizei zusammen das Projekt „Stark ohne Gewalt“ gegründet. Inzwischen engagieren sich 250 Spandauer Jugendliche im Projekt. Sie laufen mit der Polizei Streife und die Arbeit trägt gute Früchte. Die Bilder in den Köpfen, die Klischees sind abgeschafft.
Bei der Gründung haben wir vor allem von der CDU Kritik erfahren. Aber mittlerweile ist der Verein in Spandau etabliert und zu einer Institution für junge Menschen geworden. Die Kriminalität in Spandau ist drastisch zurückgegangen. Wir haben mit unseren Aktionen die Menschen zusammengebracht.
Noch einmal zu Spandau: Die SPD will nach 16 Jahren wieder den Bezirksbürgermeister stellen. Mit welchen Themen will die Spandauer SPD die Bevölkerung überzeugen?
Wir brauchen wieder Vertrauen in die Bezirkspolitik. 16 Jahre CDU-Regierung haben zum Teil tiefe Wunden geschlagen. Es reicht eben nicht, als Bezirksregierung auf den Senat zu schimpfen. Wir wollen einen Bezirk des "Miteinander". Wir wollen bezahlbare Mieten und eine gesunde Mischung der Bevölkerung in den Kiezen.
Mit unserem Spitzenkandidaten Helmut Kleebank bieten wir einen guten, aufrechten Menschen für das Amt des Bürgermeisters an, der die Probleme der SpandauerInnen aus ihrer eigenen Sicht sieht und nicht nur aus dem Blickwinkel eines Berufspolitikers.
Und Herr Saleh, noch etwas Privates?
Nur soviel: Meine Familie ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit für die Gemeinschaft. Ich bin glücklich verheiratet, habe zwei Söhne (1 Jahr alt). Trotz vieler Termine nehme ich mir täglich Zeit für meine Familie.